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Schließung der Außenstelle Mellrichstadt

Freitag | 29.05.2015

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, sagte einmal der große Schweizer Schriftsteller Hermann Hesse. Aber ein Zauber liegt auch in jedem Ende. Das lernten die Besucher der Feier kennen, mit der am vergangenen Dienstag die Außenstelle der Jakob-Preh-Berufsschule Bad Neustadt in Mellrichstadt offiziell geschlossen wurde. Alle Redner, vorneweg der Schulleiter Oberstudiendirektor Kurt Haßfurter, aber auch Landrat Thomas Habermann und Mellrichstadts Bürgermeister Eberhard Streit, stellten diesen Gedanken in den Mittelpunkt ihrer Ansprachen. Es ist der nostalgische Zauber der Erinnerung an Vergangenes, aber auch der Zauber des Neuen und seiner Chancen, das zwangsläufig auf des Gewesene folgt.

In den Ansprachen klang aber auch immer wieder Dank an für die in dieser Mellrichstädter Außenstelle geleistete Bildungs- und Ausbildungsarbeit, und den empfing neben allen, die hier gewirkt hatten, besonders Wolfgang Hippeli, der Lehrer für Farbtechnik, der nun schon seit 37 Jahren an dieser Schule Unterricht in seinem Fach bis zum Ende dieses Schuljahrs erteilt.

Haßfurter begrüßte Hippeli, und mit ihm die Gäste aus dem Bereich des Handwerks und der Schule, unter ihnen auch die früheren Schulleiter in Mellrichstadt Karl-Heinrich Wand, Peter Klier und Werner Walch sowie mit Habermann und Streit auch den stellvertretenden Landrat Peter Suckfüll. Der Bad Neustädter Berufsschulleiter gab dann den Besuchern einen knappen Überblick über die Geschichte der Mellrichstädter Berufsschule. Die ersten Anfänge, führte er aus, reichen in das Jahr 1936 zurück. In diesem Jahr wurde der Unterricht an der „Städtischen Berufsschule“ aufgenommen, wenn auch nicht in dem Gebäude an der Sondheimer Straße, denn dieses war erst 1953 bezugsfertig. 1948 wurde die Mellrichstädter Berufsschule zur Kreisberufsschule erhoben und 1972 der Berufsschule in Bad Neustadt als Außenstelle eingegliedert. Anfangs gab es noch neun verschiedene Ausbildungsrichtungen, die Probleme wie Lehrermangel und Raumnot mit sich brachten. Die wurden zum Teil dadurch gelöst, dass von der Mellrichstädter Außenstelle weitere Außenstellen auf verschieden Orte im Landkreis ausgesiedelt wurden.

Die sinkenden Schülerzahlen waren ein eigenes Problem, bis zum heutigen Tag. Denn mit den weniger gewordenen Schülern lohnte sich ein verantwortbarer Unterricht hier nicht mehr, und so wurden sie nach Bad Neustadt umgeleitet. Nur die Malerausbildung blieb in Mellrichstadt bis zum Schluss, bis in den April 2015, mit Wolfgang Hippeli als Ausbilder, „dem letzten seines Standes“.


Die Ausbildung besonders der Maler und Lackierer in Mellrichstadt sei auch deswegen so effektiv gewesen, weil dieser Ausbildungszweig mit der „Handwerksinnung für das Malerhandwerk“ immer einen sehr kompetenten und kooperativen Partner hatte. Diese Zusammenarbeit war so erfolgreich, dass der Mellrichstädter Berufsschule im Jahr 2010 das bundesweit einmalige Prädikat „Beste Lernortkooperation“ vom „Bundesverband Farbe, Gestaltung, Bautenschutz“ verliehen wurde. Von Seiten der Schule war es vor allem Wolfgang Hippeli, der diese Zusammenarbeit realisierte. Der erinnerte auch daran, dass die Schule sehr oft weitere Preise, auch Staatspreise für die anderen Ausbildungsrichtungen erhalten hatte.


 Nachdenkliche Worte fand Landrat Thomas Habermann. Auch den Abschied von der Mellrichstädter Berufsschule könne und solle man feiern, weil damit die Erinnerung an viele große Leistungen verbunden ist. Die Schließung aber sei angesichts der gesunkenen Geburten- und somit auch Schülerzahlen unter dem Aspekt der Kosteneffizienz unumgänglich geworden. Aber der Blick dürfe mit Zuversicht in die Zukunft gerichtet werden. Denn mit der Einrichtung einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber werde das Haus einer neuen Bestimmung zugeführt, und das sei keine Verlegenheitslösung. Damit komme der Landkreis einer moralischen Verpflichtung nach, Menschen in Not aufzunehmen und ein wenig zu einer gerechteren Welt beizutragen. Darin sollten die Bürger eine Chance sehen, diese mit Mut und Zuversicht ergreifen und auf Gottes Segen bauen.


 Eberhard Streit dankte dem Landrat dafür, dass von Seiten des Landkreises die Schließung der Berufsschule nur dann befürwortet wurde, wenn das Gebäude einer sinnvollen Nachnutzung zugeführt wird. Dies sei nun gewährleistet. Die ehemalige Berufsschule sei in Mellrichstadt der beste Ort, um eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende einzurichten, und damit sei auch der Erhalt des Gebäudes zumindest mittelfristig gesichert; vermutlich aber auch dann noch, wenn einmal das Problem der Asylsuchenden und Flüchtlinge zu einem Ende gekommen sein sollte.

Kurt Haßfurter hatte Hippeli dazu überredet, von seinen Erlebnissen als Lehrer in Mellrichstadt zu erzählen. „Ich bin ein Handwerker“, sagte Hippeli zwar, „und kein Mundwerker“, aber als er dann doch ganz salopp vor die Besucher trat und Anekdoten erzählte, wurde er immer wieder von Beifall begleitet. Denn seine Erinnerungen regten auch zum Schmunzeln an, z. B. wenn er berichtete, dass er bei der großen Überschwemmung 2013 mit zwei linken Gummistiefeln an den Beinen die braunen Fluten im Schulhaus bekämpfte. Und beim Lichtausschalten sei Wasser aus dem Lichtschalter gekommen. Schüler und Lehrer seien eine echte Schulfamilie gewesen, sagte Hippeli, was angesichts ganz unterschiedlicher Schüler mit ganz unterschiedlichen Hintergründen nicht selbstverständlich war.

Einen Film über die Berufsschule in Mellrichstadt gab es auch, und den führte Haßfurter dann den Besuchern vor, bevor er mit Hilfe von sieben Kollegen die Vergangenheit der Schule auf ganz andere Weise noch einmal lebendig werden ließ: Die trugen längere Originalzitate aus Schuldokumenten vor, alle aus der Vergangenheit, und hätten doch, so Haßfurter, geradeso von gestern oder heute sein können. Mit einem besonderen Einfall schloss der Bad Neustädter Berufsschulleiter die Feierstunde: Er überreichte dem Kreisbaumeister Herbert Bötsch die Baupläne der Mellrichstädter Schule, und für Landrat Habermann hatte er den Bund mit Sicherheitsschlüsseln, die seit der Umrüstung auf neue Schlösser überflüssig geworden waren und doch ein schönes Symbol für diese Landkreisschule sind. Hippeli aber bekam den alten Schultresor als Geschenk und zur Erinnerung.

Dann dankte Haßfurter noch einmal allen, die in der Schule tätig waren, auch allen, die die Feierstunde zur Schließung der Schule mitgestaltet hatten, und das war besonders auch die Gitarrengruppe der Kreismusikschule Bad Königshofen mit wundervollen Musikeinlagen. Dann lud er die Besucher zu einem Stehempfang in das Erdgeschoss ein, wo auch im Flur in einer langen Straße auf dem Flur, in einer Art Zeitachse mit vielen Dokumenten und Exponaten die Geschichte der Mellrichstädter Berufsschule dokumentiert wurde. Auch hier hatte sich Wolfgang Hippeli in besonderer Weise eingebracht.   

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