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Jakob-Preh-Berufsschule im digitalen Zeitalter

Freitag | 24.11.2017

Rhön- und Saalepost vom 24.11.2017

Bad Neustadt (hf). Oberstudiendirektor Kurt Haßfurter, Leiter der Jakob-Preh-Berufsschule in Bad Neustadt ist ganz in seinem Element, wenn es um das Thema Digitalisierung geht. Das merkte man bereits bei seinem Vortrag bei der Sitzung des Ausschusses für Bildung, Schule, Sport, Gesundheit, wo er die Zukunft "seiner Schule" aufzeigte. Bei unserem Kurzbesuch in der Bad Neustädter Schule wurde schnell klar: Schulleiter Kurt Haßfurter ist wieder einmal allen anderen einen Schritt voraus. In einem Unterrichtsraum erklärt er eine Maschine, die kleine Dosen produziert und diese dann auch noch mit verschiedenfarbigen Kügelchen befüllt. Das alles wird in spätestens einem Jahr digital geschehen. Strichcodes sagen der Maschine, was sie zu tun hat, wie der Ablauf von der Produktion bis zur Fertigstellung zu sein hat. Ganz in seinem Element erklärt der Berufsschuldirektor den Vorgang und was die Maschine an Informationen bekommt. Spätestens bei diesem kurzen Einblick wird bewusst, auf welch hochmodernen Stand die Bad Neustädter Jakob-Preh-Berufsschule ist.

Kein Wunder, dass Kreisbaumeister Herbert Bötsch, bei der Sitzung des Ausschusses von Kurt Haßfurter zitiert wurde. "Er sagt immer, wenn der Kurt Haßfurter mit einem Bereich seiner Schule fertig ist, hat er schon wieder ein neues Projekt im Auge." Dass diese Aussage stimmt, zeigt sich recht schnell, wenn man die Begeisterung sieht, mit der Kurt Haßfurter die digitale Zukunft seiner Schule sieht. Die Jakob-Preh-Berufsschule und die ebenfalls von Haßfurter geführte Berufsfachschule für Holzbildhauer in Bischofsheim verfügen insgesamt über 1.630 Schülerinnen und Schüler, 83 Lehrkräfte, 6 Referendare, 82 Klassen und 319 Computer. Insgesamt besteht die Jakob-Preh-Schule aus einer Meisterschule für Schneid- und Schleiftechnik, einer Staatlichen Fachschule für Fahrzeugtechnik und Elektromobilität, hinzu kommt die Staatliche Fachschule für Elektrotechnik, und natürlich die Berufsschule mit ihren Fachbereichen Metall-, Elektro- und Bautechnik sowie Wirtschaft und Verwaltung.

Den Ausschussmitgliedern zeigte Kurt Haßfurter einen Kurzfilm über die Arbeitswelt der Zukunft im digitalen Zeitalter. Kurz streifte er die Entwicklung von der Mechanisierung im 18. Jahrhundert (Industrie 1.0). Es folgte Industrie 2.0 im 19. Jahrhundert mit der Industrialisierung, der sich die Automatisierung (3.0) im 20. Jahrhundert anschloss. Ging es bei der Industrialisierung um arbeitsteilige Massenproduktion und die Nutzung von elektrischer Energie, so kam in der Automatisierung der Einsatz von Informationstechnik und Elektrotechnik dazu. Nun steht das Zeitalter der Digitalisierung mit cyber-physischen Systemen aktuell an. Dieses wird nun in der Bad Neustädter Berufsschule als nächstes angegangen. Kurt Haßfurter erinnerte an das Jahr 1988, als es in der Berufsschule Schweinfurt den ersten Roboter im Anfangsstadium gab. "Heute haben wir perfekte Roboter". Erwähnt hat der Oberstudiendirektor die Auto-Produktion. Die Ausschussmitglieder erfuhren, dass es bei 1.824.000 Autos nur 40 sogenannte Zwillinge gibt, die bis auf die kleinste Kleinigkeit gleich sind.

Kurt Haßfurter gab einen Überblick über das cyber-physische System und zeigte Beispiele der Automatisierungspyramide. Bei allem gehe es in der Zukunft der Digitalisierung um Datensicherheit, Datenschutz und vor allem die Ausfallsicherheit der Energieversorger. "Das ist ein ganz wichtiger Punkt, den man nicht unterschätzen darf," sagte Kurt Haßfurter. Was als nächstes kommen wird, ist die Digitalisierung in der Bildung. Hier geht es vor allem dann um Teamfähigkeit, "denn wir werden uns immer weiter entwickeln". Schon beim Umbau der Berufsschule in Bad Neustadt hat der Schulleiter darauf Wert gelegt. So ist unter anderem der ehemalige Religionsraum und ein angrenzendes Lehrerzimmer nun Unterrichtsraum für hochmoderne Geräte. "Wir sind auf einem guten Weg und haben Unterstützung durch die Elektromobilität." Die Bad Neustädter Einrichtung ist bayernweit eine Vorzeigeschule, was die zukünftige Ausbildung, auch und gerade bei der Digitalisierung angeht. Der Schulleiter ist auch viel unterwegs, um die Ideen, die in Bad Neustadt entwickelt werden, zum Beispiel bei den Ministerien oder Schulträgern zu präsentieren.

Teamfähige Schülerinnen und Schüler, aber auch Mitarbeiter in den Betrieben sind in der Zukunft das A und O. Es geht darum, statistische Daten zu erfassen und auszuwerten und daraus eine logische Schlussfolgerung zu ziehen. Hinzu kommt das Beherrschen smarter Techniken und Geräte wie Smartphone, Smartboard, Tablet oder Smarthome. Notwendig werden Fortbildungskonzepte für die Lehrerbildung in Zusammenarbeit mit der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen. Das Ausstattungskonzept dazu wurde übrigens in Bad Neustadt entwickelt. Der Oberstudiendirektor zitierte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, der auf dem IT-Gipfel in Saarbrücken 2016 sagte, dass die digitale Bildung das gesamte Berufsleben begleiten muss. Deshalb sollte eine Milliarde Euro in eine umfassende Ausstattungsinitiative für Berufsschule investiert werden. Aus diesem Topf fließt eine Förderung in Höhe von 225.000 Euro nach Bad Neustadt. Die Gesamtumsetzung ins digitale Zeitalter in Bad Neustadt schätzt Kurt Haßfurter auf rund eine halbe Million Euro. Bad Neustadt ist übrigens seit 2016 eine SAP-Modellschule.

Beim Blick in die Zukunft sagte Schulleiter Kurt Haßfurter, dass künftig die Arbeitsplätze in der Verwaltung weniger werden. Grund dafür ist unter anderem die integrierte Datenverarbeitung. Kurz streifte er die künftigen Einkaufsmöglichkeiten der Zukunft, wobei es eines Tages kein Kassenpersonal mehr geben wird. Am Einkaufswagen wird dann ein Display sein, das die Waren im Einkaufswagen auflistet und an der Kasse einliest, wo sie vom Kunden per Karte bezahlt werden. Zur Zukunft der Jakob-Preh-Berufsschule sagte Kurt Haßfurter, dass die Umsetzung unter anderem in dem Basisprojekt "Merchandising" erfolgt. Hier geht es um Kundenanfragen, die Auftragsverarbeitung, Kalkulation und Angebotserstellung bis hin zur Fertigungsplanung, Qualitätskontrolle und Auslieferung. Konkret sprach der Schulleiter den Bereich "Schleifen 4.0" an. Hochpräzise Werkzeuge werden hier gefertigt. Die Zukunft liege darin, Chancen zu erkennen und diese zu nutzen.

Dank sagte Schulleiter Kurt Haßfurter an Landrat Thomas Habermann, sowie die Kreisräte auch und vor allem im Schulausschuss. Hier sei die Bereitschaft für die Zukunft der Berufsschule Bad Neustadt zu erkennen. "Wir an der Jakob-Preh-Schule haben uns aufgemacht. Danke für die Unterstützung." Damit habe man sehr gute Karten. Angesprochen hat der Oberstudiendirektor aber auch das Wohnheim für Schülerinnen und Schüler in Bad Neustadt (wir berichteten). "Das ist sehr wichtig und muss angegangen werden."  Bernd Roßmanith (CSU) fragte noch nach, ob der Ausschuss nicht einmal die Schule besichtigen könne. Ganz klar, dass Kurt Haßfurter sofort zusagte. Ein Besuch des Gremiums liege schon einige Jahre zurück.

Foto: Schulleiter Kurt Haßfurter an einer Schulungsanlage in der Jakob-Preh-Berufsschule in Bad Neustadt. Diese Anlage erkennt über Strichcode den Arbeitsvorgang. Hier entstehen kleine Plastikdöschen, die sogar noch mit verschiedenfarbigen Kügelchen gefüllt werden. Foto: Friedrich

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