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Grüezi us dä Schwiiz

Donnerstag | 14.12.2017

von StR Sebastian Tomm

 

Lehrer gelten grundsätzlich als eher standorttreue Pflanzen. Doch vier abenteuerlustige Kollegen aus dem Fachbereich Metalltechnik trotzten diesem Vorurteil und statteten unserem Nachbarland Schweiz einen kurzen, dienstlichen Besuch ab. Den Netzwerken unseres Schulleiters Herrn Haßfurter und des Kollegen Jürgen Mayer ist es zu verdanken, dass wir die Möglichkeit dieser nicht alltäglichen berufsspezifischen Fortbildung bekamen.

 

In Teufen/CH, einem kleinen Örtchen kurz hinter St. Gallen, hat die NUM AG ihren Hauptsitz. Die NUM AG entwickelt und produziert Steuerungen für Werkzeugmaschinen und liefert hier sowohl Hardware als auch Software. Die Schnittstelle zur Jakob-Preh-Schule bildet das Programm NUMROTO, mit dem Schleifprozesse zur Herstellung von Schneidwerkzeugen (z. B. Bohrer, Fräser, Drehmeißel) programmiert und simuliert werden können. Anwendung findet NUMROTO bei der Ausbildung der Schneidwerkzeugmechaniker/-innen, die aus dem ganzen Bundesgebiet und teilweise auch aus Nachbarländern zur beruflichen Ausbildung an unsere Schule kommen. Bei den Schülerinnen und Schülern hat das Arbeiten mit NUMROTO schon immer großes Interesse geweckt und Motivation geschaffen. Deshalb traten wir gerne die Reise in die Schweiz zur Auffrischung und Vertiefung unserer Kenntnisse im Umgang mit der Software an.

Am 20.11. starteten die Kollegen Dennis Ganz, Jürgen Mayer, Marco Jacopino und Sebastian Tomm aus dem Fachbereich Metalltechnik in Richtung Teufen/CH. Je heller der Morgen wurde, desto näher kamen wir dem Ziel und waren schnell von der schönen Landschaft des Kantons Appenzell begeistert. Vor Ort nahm uns Anwendungstechniker Leon Frenken von der NUM AG in Empfang. Nach kurzer Begrüßung, Installation der EDV-Ausstattung und einem Mittagessen war klar, dass wir vier und Herr Frenken voll und ganz auf einer Wellenlänge liegen (kleines Beispiel: wir reisten aus der ehemaligen Modellstadt für Elektromobilität mit dem Schulfahrzeug Opel Ampera an, Herr Frenken fuhr einen Tesla Model S) und die Zusammenarbeit in den nächsten drei Tagen erfolgreich und kurzweilig sein wird.

Im Laufe der dreitägigen Schulung programmierten wir Schleifprogramme zur Herstellung verschiedener Schneidwerkzeuge. Die Komplexität der Werkzeuge stieg hierbei stetig an – Spiralbohrer, Schaftfräser flach, Schaftfräser mit Eckenfase oder Eckradius und schließlich einen Kugelfräser. Hierzu legten wir die Spezifikationen der Schneidwerkzeuge fest wie z. B. die Länge des Schaftes oder die Anzahl und Kontur der Schneiden. Zur Simulation des Fertigungsprozesses mussten auch die benötigten Schleifscheiben angelegt werden. Abhängig davon, ob man die Stirn des Schneidwerkzeuges oder den Mantel bearbeiten möchte, werden Schleifscheiben unterschiedlicher Geometrie benötigt. Während der Eingabe der genannten Daten simulierten wir des Öfteren den Schleifprozess. So wurden Fehler erkannt, z. B. bei der Ausrichtung der Schleifscheibe, die wir dann ausbesserten, bis das Ergebnis korrekt war. Die Leistung der Software NUMROTO besteht letztlich darin, aus den eingegebenen Geometrie- und Bearbeitungsdaten im Hintergrund das CNC-Programm für die reelle Schleifmaschine in der Werkstatt zu schreiben. Durch einfachen Datentransfer via Netzwerk oder Datenträger hätten wir unsere Schneidwerkzeuge dann tatsächlich fertigen können.

 

Besonders begeistert waren wir von einer Funktion des Programmes, die uns zuvor unbekannt war. Mit NUMROTO DRAW kann man von den programmierten Schneidwerkzeugen technische Zeichnungen erstellen. Da die Entwickler hier besonders auf die Ansprüche der Schneidwerkzeug-Branche Wert gelegt haben, werden automatisch charakteristische Maße und Kennwerte des Werkzeuges in die Zeichnung übernommen. Was uns hier schnell und in guter Qualität von der Hand ging, hatte ansonsten mit anderen Programmen stundenlang gedauert. Für den Unterricht sind die technischen Zeichnungen und 3D-Modelle sehr wichtig und werden uns deshalb eine große Hilfe und Erleichterung sein.

 

Unser Besuch bei der NUM AG war ein voller Erfolg und beide Seiten wollen die partnerschaftliche Kooperation nicht nur aufrechterhalten, sondern sogar intensivieren. Wir vier Teilnehmer der Fortbildung bedanken uns an dieser Stelle noch einmal recht herzlich bei Herrn Frenken, der uns zielsicher 3 Tage durch das Programm NUMROTO lotste und alle Fragen und Wünsche sofort aufgriff. Außerdem bedanken wir uns bei Herrn Federer und Herrn Matthes, für die sehr freundlichen Fachgespräche und die umfängliche Betreuung während unseres Aufenthalts. Wir freuen uns sehr auf die weitere Zusammenarbeit, spätestens wenn das nächste Release NUMROTO 4.0 veröffentlicht wird.

 

Uf Wiederluege und bis bald!

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